Führung und ihre Verantwortung unter den Bedingungen der Globalisierung

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ISBN: 978-3-87617-116-6Bibl.-Angaben: 1. Auflage 2009, 246 S., fester Einband Art.-Nr.: 1106 Kategorie: Schlüsselworte: , , , ,
Beschreibung:

Der Ruf nach verantwortungsvoller Führung ist die zentrale Herausforderung von Unternehmenslenkern. Die Diskrepanz zwischen gewinnorientierten Lösungsvorschlägen und der rückwärtsgewandten Orientierung an traditionellen Ethikkonzepten trägt maßgeblich zur Verunsicherung bei. Der vorliegende Band verknüpft die ökonomische Analyse mit einer ethisch-politischen Perspektive und liefert so ein ganzheitliches Verständnis für die neuartige Problemkonstellation moderner Führung. Ein Konzept politischer Führungsverantwortung wird entwickelt, welches das wirtschaftliche Handeln nicht aus den Augen verliert.

Das Buch wendet sich an zukunftsorientierte Unternehmer und Führungskräfte sowie Studenten der Wirtschaftswissenschaften mit den Schwerpunkten der Führungs- und Managementtheorien.

Leserrezension:

In Zeiten von Finanzskandalen, Währungskrisen, Bestechungen und fehlender Seriosität von Führungsfunktionären suchen Medien und Öffentlichkeit nach Verantwortlichen. In dieses Problemfeld stellt Moritz Patzer seine Untersuchung mit der Frage, wie es um die Qualität von Führung in der heutigen Zeit bestellt ist und welche Voraussetzungen zu schaffen sind, um in der Zukunft bei bloßem „weiter so“ zu befürchtende Katastrophen zu vermeiden. Den Auftakt bieten zwei Fallbeispiele für schlechte und für gute Führung.~ Beim „Fall Siemens“ wird das Versagen von Heinrich von Pierer als Aufsichtsverantwortlicher gegenüber Bestechungsskandalen geschildert. Dabei sollen 1,3 Milliarden Euro an dubiosen Transfers gelaufen sein. Allerdings stellt sich die Frage, wie ein deutsches Unternehmen in einer Welt von orientalischen und afrikanischen Handelsbräuchen seine wirtschaftliche Stellung ohne eine besondere Beeinflussung der Handelspartner behaupten kann. Von Pierer wird hier als Täter und zugleich als Opfer in der globalen Gemeinschaft charakterisiert. Als klassische Erfolgsgeschichte wird der Weltmarktführer bei der Herstellung von Teppichfliesen, Ray Anderson, präsentiert. Mitten im wirtschaftlichen Aufschwung überwältigte Anderson das Pflichtgefühl, jegliche Abfallproduktion und giftige Emissionen zu vermeiden, den Energiebedarf des Unternehmens aus erneuerbaren Quellen zu befriedigen und mit Bemühungen um Recycling und ein effizientes Transportwesen das ökologische Umfeld nachhaltig zu schonen. Mit diesem Kurswechsel hat Anderson Zulieferer, Kunden, Partner und Gemeinden zur Zusammenarbeit durch Aufklärung gewonnen und damit das Verhältnis von Staat, Markt und Gesellschaft in seinem Umfeld neu gestaltet. Neben dieser Zielrichtung moderner Unternehmensführung beschäftigt sich das Buch mit dem Führungsverhalten innerhalb des Unternehmens. Zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter sollte bei dem Bemühen um gemeinsame Aufgaben eine Interaktion entstehen. Die Fachkenntnisse auf der unteren Ebene sind nicht immer für Leitungsfunktionäre verfügbar und sollten daher eingehen in grundsätzliche und zielgerichtete Diskussionen mit einer von der Leitung zu formulierenden Fragestellung. In einem Dialog entwickelte Führungsentscheidungen sind besser abgesichert als einsame Entscheidungen in einem Verhältnis von Subordination (,‚Kommunikativer Führungsstil“). „Die Einsicht in die Notwendigkeit der wechselseitigen Anerkennung der menschlichen Würde“ gilt als erstes Prinzip. Kriterium dafür mag sein, mit welchen Sentiments ein berufstätiger Mensch morgens zur Arbeit geht. Wenn er sich dabei aber schon an der Bahnsteigkante in eisiger Kälte die Beine abfriert, weil die S-Bahn nicht fährt wegen Einsparung notwendiger Reparaturdienste, tritt die ubiquitäre Bedeutung einer verantwortungsbewussten Führung in allen Lebensbereichen hervor. Hier verkannte der damalige Leitungsfunktionär der Bahn deren Funktion als öffentlicher Dienst für das Gemeinwohl und meinte, statt dessen Geld durch einen Börsengang mit egoistischem Hintergrund beschaffen zu müssen. Wenn die in dem vorliegenden Buch geforderten Grundsätze einer moralisch abgesicherten Betriebführung beachtet worden wären, wäre viel Schaden vermieden worden. Die politische Dimension der Erörterungen wird gestreift durch einen Hinweis auf die Erderwärmung, den internationalen Terrorismus und die Gefährdung des sozialen Friedens im Lande. Die politische Führung folgt in den Bereichen Energie und Entwicklungspolitik realitätsfernen Konzepten. Der gegenwärtige Trend zur Ächtung der Kernkraft ignoriert, daß Tschernobyl ein durch Schlamperei und Leichtfertigkeit verursachter Einzelfall war und z.B. der Unfall von Harrisburg die Beherrschbarkeit des Atomrisikos gezeigt hat. Die Vergiftung der Umwelt durch fossile Brennstoffe wird immer wieder unterschätzt. So schlimm die Vernichtung der Regenwälder auch sein mag, so besteht doch die größte Gefahr für den Fortbestand des Lebens auf der Erde in dem hemmungslosen Wachstum der Weltbevölkerung, die sich in einer Generation verdoppelt. Patzer verlangt für die Herausforderungen der Globalisierung ein grundlegend neues Verständnis von Führung, deren Anforderungen und ein verschärfter Wettbewerb vornehmlich eine moralische Dimension aufweisen. Zu einer Neukonzeption bietet das Buch konkrete Hinweise für die Balance von Erfolgsstreben und sittlicher Kraft von Führenden sowie deren Verhältnis zu den Geführten. Aufgabe des Leitenden ist es, den Beteiligten zu dienen, sie zu fördern und zu bestärken eine eigene Verantwortung zu übernehmen. Die Interessen einer Stakeholder-Gemeinschaft muß mit dem Sozialkapital des Unternehmens verwoben werden. Die diskursive Einbeziehung aller Anspruchsgruppen sichert die Unternehmensintegrität. Diesem Werk von Moritz Patzer ist eine große Verbreitung zu wünschen. Einzelne Längen schmälern nicht die interessante Lektüre. Vor allem sollten verantwortungsbewußte Funktionsträger seine Anregungen und Empfehlungen in Strukturen und in Taten realisieren, wenn wir weiterleben wollen. Dr. Karl-Theodor Lieser